
Die Revolution in Ägypten lässt neben den Problemen undemokratischer authoritärer Regime eines offen zu Tage treten: die Konflikte der verschiedenen Aspekte amerikanischer Außenpolitik im Nahen Osten (und darüber hinaus). Prinzipien wie individuelle Freiheit, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte, die zumindest als ideologischer Überbau die Außenpolitik der USA legitimieren sollen, kollidierten hier mit regionaler “Realpolitik”, nämlich dem Schutz Israels und de
r Eindämmung des Iran.
Schnell wurde klar, dass die USA einerseits Mubarak nicht von einem Tag auf den anderen die Unterstützung aufkündigen können. Anderseits ist die Unterstützung einer autokratischen, repressiven und folternden Regierung Verrat an den selbst propagierten Prinzipien. Die USA seien “on the wrong side of history” hieß es da schnell von Demonstranten und Kommentatoren, trotz der Versicherung Nationen die nach Freiheit ringen zu unterstützen. Dabei ist klar was die Amerikaner und die westliche Welt fürchten. Mit Schrecken wird an den Sturz des Schah 1979 im Iran erinnert. Eine zunächst populär getragende Revolution brachte die Macht in der Hände von zu Beginn besonnen agierenden Klerikern, die dann ihre Macht zu einer religiösen Diktatur ausbauten. In Ägypten besteht demnach auch die Gefahr, dass die ideologisch weit gefächerte Muslim-Bruderschaft ein Machtvakuum füllen könnte und Ägypten auf einen islamistischen Kurs bringen könnte.
Das wäre problematisch für die Beziehungen in der Region. Israel und die westliche Welt fürchten die Aufkündigung des Friedenvertrages mit Israel und ein Ende der Isolation der Hamas im Gaza-Streifen. Das diplomatische Säbelrasseln in Israel hat jedenfalls schon begonnen. Der Ausfall eines weiteren, starken, säkulären Players in der Region (nach Iraks Saddam Hussein) könnte die fragilen Machtkonstellationen weiter zu Irans Gunsten verschieben.
In jedem Fall, so scheint es, wird sich der Einfluss der Amerikaner in der Region weiter verringern. Nach Irak-Krieg und Verlierern auf allen Seiten, den Problemen den Iran glaubhaft in Zugzwang zu bringen und die zögerlichen Reaktionen auf den Aufstand in Ägypten, scheinen die USA in der Region mehr den je als opportunistischer Öl-Junkie, denn als Chance und Schutzmacht wahrgenommen zu werden. Verständlicherweise beschweren sich nun auch die verbliebenden von den USA anerkannten Despoten der Region und brüskieren die amerikanischen Versuche sich an die Spitze der Ereignisse zu setzen. Nach aussichtslosen Kriegen, Finanz- und Wirtschaftskrise, lahmendem Aufschwung, der weltweit gehörten Warnung vor Schuldenkrise und Staatsbankrott durch Finanzminister Geithner und die offen opportunistische Haltung zur populär getragenen Revolution in Ägypten, Amerika und Präsident Obama nun zeigen, dass sie sich auf der “richtigen Seite der Geschichte” befinden oder einen weiteren Niedergang an Einfluss und Glaubwürdigkeit in der Welt hinnehmen.