Eigentlich sollte nun endlich mal ein Artikel zum Thema der Superdelegierten der demokratischen Partei stehen. Stattdessen schneide ich das delikate Thema US-Wirtschaft an. Delikat, weil erstens viele unter uns Wirtschaft zwar wichtig und interessant, aber unverständlich (zu Recht) finden, und zweitens, weil es mit der Wirtschaft in den USA gerade im Argen ist. Die vier folgenden Punkte haben alle etwas gemeinsam: sie befassen sich mit der aktuellen Krise der US-Wirtschaft.
- Der absackende Dollarkurs (derzeit liegt der Euro über US$ 1,50)
- Die Bürgschaft der amerikanischen Zentralbank (Fed) für Bear Stearns
- und die Wirtschaft als Thema im Präsidentschafts-Wahlkampf
Der US-amerikanische Kongress und US-Präsident Bush haben neulich einträchtig ein Konjunkturpaket von ca. 170 Milliarden Dollar verabschiedet, um die US-Wirtschaft zu stützen und eine Rezession, also grob gesagt ein Schrumpfen der US-Wirtschaft, zu vermeiden. Konkret sollen kurzfristig Haushalte durch Steuersenkungen entlastet werden, sowie die staatliche Nachfrage erhöht werden, was zumindest theoretisch dazu führt, dass Konsumenten mehr einkaufen gehen und Firmen weiterhin genug Aufträge bekommen. Der Deal wurde von fast allen Seiten als gutes Zeichen von Seiten des Staates und als Konjunkturstütze gelobt. Joseph Stiglitz, Ökonom, Berater von Bill Clinton, ehemaliger Weltbank-Chef und Nobelpreisträger, hingegen spricht von einem Tropfen auf dem heißen Stein. Tatsächlich, so Stiglitz, würden die Entlastungen nicht wirken, weil die von der Inflation (also den steigenden Preisen von z.B. Energie, Nahrungsmitteln und Importen von Gütern) aufgefressen werden. Um die Wirtschaft wirklich anzuheizen, argumentiert Stiglitz, wären ganz andere Beträge nötig, die die Bundesregierung im Fall des Irak-Krieg durchaus gewillt und in der Lage ist zu zahlen (laut Stiglitz ca. drei Billionen US-Dollar). Immerhin ist auch die Fed, die US-amerikanische Zentralbank, bereit weitaus höhere Bürgschaften zu übernehmen als der Umfang des Konjunkturpakets umfasst (dazu unten mehr). Klartext: der Betrag von 170 Milliarden Dollar klingt nach sehr viel Geld. Verglichen jedoch mit den aktuellen US-Kriegen, die jede Menge Ressourcen aus der US-Wirtschaft abziehen sind es „Peanuts“.
Ein kurzes Wort zu dem fallenden US-Dollar und warum das nicht nur für exportierende Europäer schlecht ist. Wenn der Dollar fällt, erleichtert das zwar die Exporte für die US-Wirtschaft, aber belastet die Bilanz zwischen Exporten und Importen insofern schwer, als dass der Import von Öl, anderen Rohstoffen und industriellen Gütern verteuert wird. Je mehr also der Dollar fällt, desto mehr werden die ohnehin gebeutelte US-Wirtschaft und ihre Konsumenten belastet. Des Weiteren führt ein Absacken des Dollars zu einem Vertrauensverlust, der sich zwar noch nicht massiv, aber durch die Flucht in den Euro und Gold als Anlage recht deutlich abzeichnet. Folge sind geringere Investitionen in die US-Wirtschaft, was diese wiederum belastet. Dass der Fall des Dollars gegenüber dem Euro anhalten wird, ist aus der Differenz zwischen dem Leitzins im Euroraum (4%) und den USA (2,25%) abzuleiten. Es ist nun mal attraktiver dort zu investieren, wo der Zins höher ist, weswegen der Dollar gegenüber dem Euro weiterhin fallen wird.
Dass die Fed auch noch andere Instrumente auswarten kann, zeigte sie anhand einer neuen Kreditlinie von 200 Milliarden Dollar, die sie letzten Freitag an mehrere Finanzinstitutionen ausgegeben hat um am Sonntag mit weiteren 30 Milliarden Dollar an die Investmentbank Bear Stearns nachzulegen und deren Zahlungsunfähigkeit zu verhindern. Es gibt für die Fed und die Regierung im Grunde zwei Möglichkeiten den drohenden Bankrott einer Bank zu beantworten: entweder man rettet die Bank indem man massiv Geld einleitet und so die Zahlungsfähigkeit erhält oder man lässt die Bank bankrott gehen. Für beides gibt es Gründe es vor allem nicht zu tun. „Rettet“ man die Bank ist das ein Zeichen an die Finanzwelt riskante Unterfangen ruhig wieder zu versuchen, da das Unternehmen weich landen wird (die Steuerzahler nicht so). Außerdem werden Steuergelder in private Institutionen gepumpt, die die Risiken billigend in Kauf genommen haben um die Profite maximal zu halten, die dann selbstverständlich nicht mit den Steuerzahlern geteilt werden. Lässt man die Bank abrutschen, besteht die Gefahr einer Panik der Anleger (bank run) und einer darauf folgenden Kettenreaktion mit fatalen Folgen. Im Fall Bear Stearns hat man sich entschieden zur Rettung zu schreiten. Dass Bear Stearns und seine Vorstände sich allerdings selbst das Loch gegraben haben, in dem sie nun stecken, indem die das Zugpferd in die Krise am US-amerikanischen Immobilienmarkt waren, daran sehr gut verdient haben und die Zeche nun die Steuerzahler zahlen, haben der oberste Finanzsekretär Henry Paulson und US-Präsident Bush in ihren Lobreden auf das Handeln der Fed leider nicht erwähnt. Wie es aussieht, braucht auch diesmal kein Spendenfond für den Chef von Bear Stearns der die Bank in den Eisberg gesteuert hat, eröffnet zu werden: Er wird unter Umständen nach der erfolgten Übernahme bei JPMorgan weiterbeschäftigt werden.
Bei all dem Getöse in der US-Wirtschaft darf man fragen, was denn die Präsidentschafts-kandidatenkandidaten dazu zu vermelden haben: nicht viel. McCain, Clinton und Obama setzen auf das populistische Ticket die „Mittelklasse“ stärken zu wollen, weiterhin mit Steuersenkungen zu glänzen (wobei hier traditionell ein Republikaner hervorsticht), Handelsabkommen zum Wohle der USA neu verhandeln zu wollen (McCain positioniert sich stärker als Freihändler, soweit dies aus den schwammigen Programmen zu lesen ist) und, im Fall von Obama und Clinton, die Transparenz am Immobilienmarkt zu steigern. Wie die US-Regierung künftig mit dem Zusammenrutschen von Banken umgehen, der Rezession entschlossen entgegentreten und vor allem das sich verschärfende Wohlstandsgefälle bekämpfen wird, bringen weder McCain, noch Obama und Clinton klar zum Ausdruck.
Die genannten Felder sind natürlich eng mit einander verwoben, was die ökonomische Analyse der Ursache und Wirkung generell so komplex macht. Auch wenn wesentlich mehr diskussionswürdige Themen zu behandeln wären; für einen Überblick reichen die diskutierten Themen der Konjunkturpolitik, des Dollarverfalls, der Rettung von Bear Stearns und der Wirtschafts-Positionen im Wahlkampf aus, um zu behaupten, dass die US-Wirtschaft in eine allumfassende Krise gerät. Das Credo „It’s the economy, stupid!“ stand für die Wichtigkeit der Wirtschaft in der 1992er Clinton-Präsidentschafts-Kampagne. Es sieht ganz danach aus, als würde es dieses Jahr wieder so werden (müssen).
Für eine weiterführende Diskussion kann ich einen kritischen Artikel zum Thema der Rettung von Bear Stearns anbieten. Es zeigt sich das die Märkte wieder einmal versagen. Den Marktteilnehmern ist es wieder einmal nicht gelungen sich gegenseitig zu kontrollieren und verantwortungsbewusst zu wirtschaften. Sie haben sich solange gegenseitig auf die Schulter geklopft bis es gekracht hat. Wenn es dann soweit ist, rufen alle nach dem Staat, der dann weitere Katastrophen mit Steuergeldern verhindern soll – bis zur nächsten Krise.
Ich will nur kurz auf die neue Krugman-Kolumne in der New York Times hinweisen http://www.nytimes.com/2008/03/24/opinion/24krugman.html?_r=1&hp&oref=slogin .
Er beklagt sich darüber, eine ähnliche Meinung habe ich in dem US-Wirtschaftsartikel auch vertreten, dass die Wirtschaft von den Präsidentschaftskandidaten nicht richtig thematisiert wird und vor allem keine politischen Antworten auf die Finanzkrise offeriert werden. Warum das so ist erklärt Krugman in seiner Kolumne. Ein Blick für unsere Stammleser [;-)] lohnt sich.
Gute Nacht.
[...] das Abschäumen von Mitteln aus dem eigentlich für die Finanzwirtschaft geplanten Hilfspaket überhaupt machbar und rechtlich haltbar ist, wurde bis jetzt nicht klar. Offensichtlich ist [...]