Ist John McCain konservativ genug für die Republikaner?
22. Februar 2008 von John
John McCain könnte doch eigentlich seit dem Super-Tuesday (auch Tsunami-Tuesday, Super-Duper-Tuesday oder einfach nur der 5. Februar 2008 ) die Beine hochlegen, sich das Kopf-an-Kopf-Rennen seiner demokratischen Kontrahenten ansehen und einer ruhigen, gelassenen Zeit bis zu seiner offiziellen Nominierung, Anfang September, zum republikanischen US-Präsidentschaftskandidaten entgegensehen. Eine Welle von öffentlichen Unterstützungen (endorsement) ist seitdem über den 71-jährigen Senator aus Arizona hereingebrochen. Ihren ersten Höhepunkt erreichte sie durch das Ausscheiden von Rudolph Giuliani aus dem Rennen für die US-Präsidentschaftskandidatur und dem darauffolgenden endorsement für McCain. Nachdem Mitt Romney ebenfalls seine Kandidatur zurückgezogen und sich für McCain ausgesprochen hatte, hat sich nun auch der erste Bush-Präsident, George H. W. Bush, für McCain erklärt.
Schenkt man der Anzahl der Delegierten, die McCain bereits für sich im Verlauf der Vorwahlen sichern konnte einen flüchtigen Blick, so scheint sich dieser Eindruck zu verstärken: im Gegensatz zum Obama-Clinton-photo-finish führt McCain praktisch uneinholbar mit über 900 von rund 1200 benötigten Delegierten vor seinen beiden verbleibenden Kontrahenten Mike Huckabee (240) und Ron Paul (14). Eigentlich scheint alles entschieden. Eigentlich!
Je deutlicher McCains Führung innerhalb des republikanischen Feldes in den letzten Wochen wurde, desto heftiger sah er sich allerdings Kritik und Ablehnung aus dem konservativen Lager ausgesetzt. Während Mitt Romney vor seinem Ausscheiden McCain noch als Liberalen „beschimpfte“, wurde McCain von rechts-konservativen Mediengrößen hart angegriffen. Bei einem Auftritt bei der konservativen Gruppe CPAC (Conservative Political Action Conference) wurde McCain mit Buh-Rufen und Pfiffen empfangen.
Als inkompatibel mit konservativen Grundwerten wird McCains Politik im Hinblick auf eine Reform der Einwanderungsgesetze, sein Nein zu Steuersenkungen der Bush-Administration und neuerliche Abgrenzungen zu Donald Rumsfeld (ehem. Verteidigungsminister) bewertet. Zwar besetzt er die Themen nationale Sicherheit, den Irakkrieg und kann durch seine militärische Karriere punkten (McCain war fünf Jahre Kriegsgefangener in Vietnam), jedoch trifft er gerade bei Wertekonservativen und religiös-konservativen Gruppen auf wenig Gegenliebe. Neben der Einwanderungsreform wird seine unklare Position zum Abtreibungsrecht kritisiert.
McCains Problem tief-konservative Wähler zu gewinnen, drückt sich besonders in seiner bisherigen Vorwahlbilanz aus. Während er vereinzelte Erfolge im mittleren Westen erzielen konnte, sieht es im sogenannten bible belt (Bibelgürtel) mager aus. Gerade diese Südstaaten bilden den harten konservativen Kern der Republikaner. McCains Vorwahlgewinne sind vornehmlich in den Ost- und Westküstenstaaten zu finden. Dies ist alles andere als eine beruhigende Ausgangsbasis, da die Küstenstaaten bei nationalen Wahlen traditionell demokratisch wählen.
Bemüht die Debatte um McCains Bild als Konservativen zu beenden und Einigkeit sowie Geschlossenheit zu symbolisieren, schlägt sich nun vermehrt das republikanische Establishment öffentlich wirksam hinter ihren quasi-Nominierten. Neben dem Kommentar des älteren Bush, dass die derzeitige Diskussion „absurd“ sei, stimmt der Sohn des konservativen Gründervaters William F. Buckley Jr., Christopher Buckley in einem Artikel der New York Times mit ein. Buckley ruft McCains Konservativismus-Kritiker drastisch zur Ordnung: „Would you all please just…shut…up?“ (Würdet ihr alle bitte einfach die Fresse halten).